Innovative Stadtwerke sind Illusion. Kann ein Antiquariat Kundentouchpoint Nr.1 werden? Ein Kongress für Stadtwerke, die überleben wollen.

Der Kongressworkshop der truemind innovation GmbH auf der E-world 2020 in Essen soll aufrütteln, der Titel bewusst ein wenig provozieren. Für nachhaltige Veränderungen sind unterschiedliche Perspektiven und Einflüsse zusammen an einem Tisch unverzichtbar. Im Interview sprechen Wolfgang Mohr, Gründer und Geschäftsführer truemind innovation GmbH, und Sascha Herbst, Gründer und Geschäftsführer dreizunull GmbH & Co. KG Kommunikationsagentur, über Innovation, Leadership und klare operative Maßnahmen für die Zukunftsfähigkeit.

E-world: „Unsterblichkeit von Unternehmen ist kein Mythos, sondern Methode. Was steckt hinter dieser Sichtweise?“

Wolfgang Mohr: Jedes Unternehmen hat die Kraft, sich von innen heraus zu erneuern. Jedoch bedarf es hierfür einer exakten 360 Grad-Analyse zu Ausgangslage, Stärken, Schwächen und Potenzialen, gepaart mit dem Verständnis dafür, dass in Zeiten von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz, Zeit und nicht Geld die wichtigste Ressource darstellt. Marketing, Vertrieb und Produktentwicklung können im Zusammenspiel mit einem neuen Selbstverständnis einen erheblichen Teil hierzu beitragen. Ziel ist es eine variable, strategische Roadmap für die kommenden zehn Jahre zu haben, die es einem Unternehmen erlaubt, flexibel und vorausschauend auf die Herausforderungen von morgen zu reagieren. 

E-world: “Was haben Mindset, Kultur und Leadership speziell mit Digitalisierung bzw. digitalem Wandel zu tun? Ist das nicht eher ein technisches Thema?“

Sascha Herbst: Jede radikale, also an die Wurzeln eines Unternehmens und damit seine Geschäftsmodelle gehende Veränderung, fordert die Kultur eines Unternehmens heraus. Die Digitalisierung ist eine solche Intervention. Sie trifft die Führungskräfte und ihre Teams gleichermaßen. Ein Weitermachen wie bisher ist nicht möglich. Produkte, Prozesse, Strategien, alles steht auf dem Prüfstand.

E-world: “Sie haben 2019 mit licet-Leadership Ihr eigenes Produkt in diesem Bereich auf den Markt gebracht. Was macht licet anders?

Sascha Herbst: Wir legen den Fokus auf die Sprache und die handelnden Akteure. Denn Sprache ist der Code, der alles verbindet und am Laufen hält. Um es klar zu sagen, mit licet Leadership gelingt es uns, Systeme zu hacken. Entsprechend identifizieren wir auch die Unternehmensziele und entwickeln mit den Führungskräften und Teams neue Sprach-Codes, die sich positiv auf ihr Mindset, ihre Kultur, ihre Energie-Entfaltung im Sinne der Problemlösung auswirken. Grundlage für unsere Arbeit sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 20 Jahre aus Neurologie, Psychologie und Verhaltensökonomie. Hinzu kommen die Erfahrungen und Ergebnisse aus Leistungssport und Marketing.

E-world: „Die Welt der Energieversorger befindet sich mitten in einem großen Wandel. Welchen Beitrag kann Beratung leisten, um diese Herausforderungen zu bewältigen?“

Wolfgang Mohr: Berater können vor allem wertvolle Impulse aus einer außenstehenden Perspektive liefern, besser unangenehme Wahrheiten ansprechen und Themen, sowie Aufgabenkomplexe bewegen, die mit rein internen Ressourcen schwer zu stemmen sind. Die Beraterexpertise während dieser Zeit auf das interne Team zu übertragen und es nachhaltig zu befähigen, ist dabei ein oft vernachlässigter Baustein. Hierfür ist die Unterstützung durch die Führungskräfte unabdingbar.

E-world: „Was macht für Sie eine gute Führungskraft im digitalen Zeitalter aus?“

Sascha Herbst: Das, was eine gute Führungskraft auch zu Zeiten von Konfuzius oder Martin Luthers ausgemacht hat: Sie versteht Zusammenhänge, erkennt die Macht- und Einflussgrößen, sieht das große Bild und weiß abzuleiten, welche Schritte erforderlich sind, um sich und die ihm anvertrauten Menschen zu einer besseren Zukunft zu führen.

E-world: „Zum Abschluss. Welche Top 3-Maßnahmen würden Sie als Geschäftsführer eines EVU in 2020 ergreifen?“

Wolfgang Mohr:

  1. Eine gesamtunternehmerische Digitalisierungsstrategie auf den Weg bringen und diese schnellstmöglich umsetzen. Angefangen bei den Basics, bis hin zu strategischen Veränderungen unter den zuvor genannten Prämissen. Und dann rein ins operative Tun.
  2. Die Arbeitsstrukturen verändern. Starre Strukturen behindern notwendige Veränderungen im höchsten Maße. Ganz wichtig hierbei ist ein tiefes Verständnis im Team zu schaffen und alle Mitarbeiter mitzunehmen. Der Satz: “Das haben wir schon immer so gemacht.“ wird aus dem Vokabular gestrichen.
  3. Kundenzentriertheit in den Mittelpunkt rücken. Jeder Kontakt sollte für den Kunden so mühelos, wie möglich sein. Auf diese Prämisse hin werden sämtliche Produkte, Marketingbemühungen und Prozesse ausgelegt, ohne Kompromisse.   

E-world: Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr zur Konferenz der truemind innovation gmbh erfahren Sie hier: e-world-essen.com/innovative-stadtwerke

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